Internationale Tagung
Die dritte Dimension der Stadt

Internationale Tagung
Datum: Donnerstag, 19. Mai 2016 bis Freitag, 20. Mai 2016
Zeit: 18.00 Uhr bis 18.00 Uhr
Ort: ETH Zürich, Hauptgebäude, Semper Aula
 

Die dritte Dimension der Stadt

Voraussetzungen, Themen und Wirkungen des Raumdiskurses im Städtebau



Die Tagung «Die dritte Dimension der Stadt» widmet sich in einer historischen Perspektive dem Raumbegriff in der Theorie des Städtebaus, und damit auch der Rolle des Raums im städtebaulichen Entwurf.

Camillo Sittes Schrift Der Städte-Bau nach seinen künstlerischen Grundsätzen von 1889, in welcher er historische Plätze auf ihre räumliche Qualitäten hin untersuchte, hatte das Interesse der Städtebautheorie auf den Raum gelenkt. Anhand seiner Analyse historischer Stadtanlagen gelangte Sitte zu Gestaltungsprinzipien, aus denen heraus er Handlungsanweisungen für den zeitgenössischen Städtebau zu gewinnen suchte und über räumliche Komposition ein künstlerisches Wirkungsfeld im Städtebau eröffnete. Der Städte-Bau ist auch aus dem Protest gegen Stadterweiterungsplanungen heraus entstanden, in denen sich primär ökonomische Interessen manifestierten und ästhetische Massstäbe vernachlässigt wurden. Der Raum indes kristallisierte sich in dem seit Ende des 19. Jahrhunderts geführten Diskurs als jenes Gestaltungsmedium heraus, das im Künstlerischen einen Zugriff auf die städtebauliche Praxis fand. Die von Sitte und nach ihm etwa von Karl Henrici, Theodor Fischer oder auch Albert Erich Brinckmann verfolgte Betrachtungsart ist dabei nicht ohne die Vorarbeiten denkbar, die in der physiologischen Psychologie seit den 1870er Jahren geleistet wurden; darüber hinaus sind Wechselwirkungen mit der Thematisierung des Raums in der zeitgenössischen Kunst- und Architekturtheorie bemerkenswert.

Diesen Zusammenhängen möchte die Tagung «Die dritte Dimension der Stadt» nachgehen. Im Mittelpunkt steht dabei eine ideengeschichtliche Annäherung an den städtebautheoretischen Raumdiskurs in der Zeit zwischen etwa 1890 und 1930; nicht monographische Untersuchungen zu Exponenten des künstlerischen Städtebaus, sondern Studien zu exemplarischen Themen des Raumdiskurses stehen im Zentrum der Tagung. Auch soll die Wirkungsgeschichte der Thematisierung des Raums im Städtebau dieser Zeit auf aktuelle Fragen der städtebaulichen Planung in den Blick genommen werden.

Während ein Abendvortrag am ersten Tag den übergreifenden Rahmen der Tagung absteckt, sind den genannten Themenkomplexen am zweiten Tag vier Sessionen gewidmet. Eine erste, historische Session untersucht die Vorgeschichte der Thematisierung des Raums im Städtebau, die sich allem voran in der physiopsychologischen Forschung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts findet; ebenso soll der in der Kunst- und Architekturtheorie zeitlich parallel geführte Diskurs über den Raum in den Blick genommen werden. Zwei weitere Sessionen nehmen sich des Zusammenhangs des sogenannten künstlerischen Städtebaus an, wobei neben dem eigentlichen deutschsprachigen Diskurs auch internationale Verflechtungen und Wirkungen in den Blick genommen werden. Eine abschliessende Session fragt nach der aktuellen Bedeutung des räumlichen Entwerfens im Städtebau vor dem Hintergrund des spatial turn sowie phänomenologischer Ansätze zur Analyse des urbanen Lebensumfelds.

Kontakt


Dr. Rainer Schützeichel