Seminar
Den Staat in der Stadt bauen. Strategien politischer Repräsentation 1900 bis 1960

Seminar
Dozierende: Prof. Dr. Vittorio Magnago Lampugnani, Mascha Bisping, Konstanze Sylva Domhardt
Zeit: Donnerstag, 14.45 - 16.30 Uhr
Ort: HIL D 60.1, ETH Hönggerberg
 

Den Staat in der Stadt bauen. Strategien politischer Repräsentation 1900 bis 1960


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Die Stadt ist nicht nur ein Gemeinwesen, das sich selbst als politisches Gebilde etwa in Rathäusern und Verwaltungsbauten repräsentiert. – Viele Städte verdanken ihre qualitätvollsten Bauten, Plätze und Anlagen, ihre Wahrzeichen und ihre Bedeutung der Tatsache, dass sie irgendwann einmal Hauptorte übergeordneter politischer Einheiten wurden. Nicht wenige Städte existieren überhaupt nur deshalb, weil für die politischen Entscheidungsträger die Notwendigkeit bestand, eine neue Hauptstadt zu gründen.
Thema unseres Seminars sind verschiedene städtebauliche und architektonische Strategien, die in der politisch äusserst vielfältigen und wechselvollen Zeitspanne zwischen 1900 und 1960 für politische Repräsentationsabsichten gewählt wurden. Unsere Frage lautet also: Wie wurden politische Repräsentationsabsichten städtebaulich umgesetzt? In einem zweiten Schritt wollen wir fragen, inwiefern städtebauliche Strategien oder architektonische Formen mit konkreten politischen Zielen verknüpft sein können.
Politisch repräsentative Städtebauprojekte, seien es punktuelle oder strukturelle Eingriffe in der Stadt, der Neubau eines Regierungsviertels oder der Bau einer neuen Hauptstadt, sind im 20. Jahrhundert meist entweder durch die Gründung eines neuen Staates oder durch die Veränderung der Repräsentationsbedürfnisse eines bestehenden Staates motiviert gewesen. Der Betrachtungszeitraum beginnt mit den grossen kolonialen und "neustaatlichen" Hauptstadtplanungen um 1900 und endet mit den postkolonialen Neustadtgründungen 1950/60. Zwischen diesen paradigmatischen Eckwerten liegen v.a. in Europa und Asien städtebauliche Planungen, die spannende und kontrovers diskutierbare Interpretationen des Themas der politischen Repräsentation lieferten.
Ziel des Seminars ist es einerseits, einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten und Realisierungen politischer Repräsentation in Städtebau und Architektur zu gewinnen. Andererseits soll das Bewusstsein für die Grenzen der Repräsentierbarkeit politischer Inhalte mit den Mitteln des Städtebaus und der Architektur geschärft werden.


Programm

1. April 04:
Einführung

8. April 04:
Gastvortrag
Dr. Wolfgang Sonne (Glasgow): "Staat machen. Hauptstädte um 1900"

15. April 04:
Strukturelle Eingriffe in die Stadt
Josef Plecniks Eingriffe in Ljubljana und Prag in den 20er und 30er Jahren

22. April 04:
Das implementierte Regierungsensemble
Das neue Ankara Atatürks in den 30er Jahren und der zeitgenössische Kontext

29. April 04:
Das Ensemble als Subzentrum
Esposizione Universale di Roma (EUR) und deutsche Gauforen in den 30er/40er Jahren

6. Mai 04:
Das 'Zentrale Gebäude' in der Stadt
Entwürfe für das Ost-Berliner Stadtzentrum der Nachkriegszeit und das Moskauer Modell

13. Mai 04:
Die Neue Stadt und ihr Kapitol
Le Corbusiers Chandigarh und weitere Hauptstadtplanungen der 50er und 60er Jahre