SNF-Forschungsprojekt
Die Systematisierung städtebaulichen Wissens: Eine wissenschaftsgeschichtliche Untersuchung städtebaulicher Manuale in der Gründungsphase der Disziplin Städtebau (1875-1930)

SNF-Forschungsprojekt
Prof. Dr. Vittorio Magnago Lampugnani, Dr. Harald R. Stühlinger, Dr. Markus Tubbesing
2014-2016
 

Städtebauliche Manuale bilden seit der Mitte des 19. Jahrhundert ein zentrales Mittel, um das praktische und theoretische Wissen der Disziplin zusammenzufassen, zu systematisieren und zugänglich zu machen. Sie kommen in einer Zeit auf, in der sich der Städtebau als ineinandergreifendes und interdisziplinäres Arbeitsfeld zu entfalten beginnt.

Inzwischen, nachdem die Wissensfülle in der Disziplin gleichermassen herangewachsen ist, wie die Forderung nach ihrer Integration, bildet die Systematisierung des Wissens im Städtebau ein dringendes Forschungsdesiderat. Eine zentrale Voraussetzung für ihre wissenschaftliche Herausbildung ist das tiefgreifende Verständnis der Zusammenhänge grundlegender Strukturierungsversuche während der Entstehungsphase der Disziplin. Doch bisher sind städtebauliche Manuale noch nie zum Gegenstand einer wissenschaftlichen Untersuchung geworden.

Um diese Forschungslücke zu schliessen, beabsichtigen wir an der Professur für Geschichte des Städtebaus des Instituts für Geschichte und Theorie der Architektur (gta) der ETH Zürich innerhalb einer interdisziplinären Forschergruppe unter der Leitung des Antragstellers eine umfassende wissenschaftsgeschichtliche Untersuchung städtebaulicher Handbücher im Zeitraum zwischen 1875 und 1930 vorzunehmen. Unseren Forschungsschwerpunkt legen wir auf den deutsch-, französisch- und englischsprachigen Kontext und ergänzen unsere Betrachtungen durch Exkurse in den italienischen, lateinamerikanischen, osteuropäischen und asiatischen Kulturraum. Diese spezifischen Sprachkonnexe sollen über fünf parallel laufende Untersuchungsmodule und deren fortlaufende Synthese erforscht werden. Das erste, buchwissenschaftliche Modul untersucht die systembildende Rolle der Handbücher als Wechselbeziehung eines komplexen wissenschaftlich-verlegerischen Gesamtunternehmens. Das zweite, städtebautheoretische Modul beabsichtigt die Betrachtung der zu Grunde liegenden Stadtvorstellungen der Handbücher. Das dritte, buchstrukturelle Modul wird die Strukturierungsansätze der Handbücher und ihre Ansätze zur Formung einer raumwissenschaftlichen Rahmendisziplin erforschen. Im vierten, begriffsgeschichtlichem Modul ist eine Untersuchung der jeweilig verwendeten Fachbegriffe vorgesehen. Anhand des fünften Moduls wird der Abbildungsapparat und seine illustrativen wie suggestiven Eigenschaften in der Systematisierung des Wissens betrachtet. Die Synthese dieser Ergebnisse erfolgt parallel und fortlaufend durch die Projektmitglieder, einerseits innerhalb der drei Sprachkonnexe, andererseits in der Herausbildung eines zusammenhängenden Publikationsmanuskripts, dessen zeitnah an das Forschungsprojekt anschliessende Veröffentlichung in Buchform die nachhaltige wissenschaftliche Grundlage zur künftigen Systematisierung des Wissens in der Disziplin Städtebau herausbilden wird.

Kontakt


Dr. Harald Robert Stühlinger
Dr. Markus Tubbesing